Ruhepol Folge 84

Shownotes

Ruhepol – Die vielen Gesichter der Gelassenheit (Teil 4)🌿

Was können wir vom Buddhismus über Gelassenheit lernen – und warum sind viele seiner jahrtausendealten Gedanken heute erstaunlich aktuell?

In Teil 4 unserer Reihe geht es um Vergänglichkeit, Loslassen und Achtsamkeit. Um die Frage, warum wir häufig nicht nur unter schwierigen Situationen leiden, sondern auch unter unseren Vorstellungen davon, wie das Leben eigentlich sein sollte.

Wir schauen auf das buddhistische Verständnis eines Geistes, der ständig von Gedanke zu Gedanke springt – und darauf, was passiert, wenn der Körper längst zur Ruhe gekommen ist, während der Kopf einfach weiterarbeitet.

Dabei führt die Folge von den frühen Lehren Siddhartha Gautamas bis zur modernen Psychologie: zu Grübeln und Gedankenunterdrückung, achtsamkeitsbasierter Stressreduktion und der Erkenntnis, dass Akzeptanz keineswegs bedeutet, alles hinzunehmen.

In dieser Folge geht es um:

* Vergänglichkeit und die Kunst des Loslassens
* warum Festhalten unser Erleben beeinflusst
* den unruhigen Geist und unsere ständige gedankliche Ablenkung
* Achtsamkeit im Alltag
* Gedanken, Gefühle und innere Dauerschleifen
* Akzeptanz statt Verdrängung
* Parallelen zwischen buddhistischer Philosophie und moderner Psychologie

Gelassenheit bedeutet nicht, sich vom Leben zurückzuziehen. Vielleicht bedeutet sie vielmehr, mitten im Leben zu stehen, ohne jeden Augenblick festhalten zu müssen.

Im nächsten Teil geht es um die wissenschaftliche Perspektive: Resilienz, Dankbarkeit, Selbstmitgefühl und die Frage, was die moderne Forschung über ein gelasseneres Leben herausgefunden hat.

Bis zur nächsten Folge von Ruhepol
Eure Ines 🌸

Transkript anzeigen

00:00:02: Willkommen im Ruhrpult, die vielen Gesichter der Gelassenheit Teil vier.

00:00:06: Wenn wir heute das Wort Buddhismus hören, denken viele Menschen zuerst an Meditationen, Mönche oder Tempel – vielleicht auch an Räucherstäbchen und stille Klöste in den Bergen?

00:00:16: Doch der Buddhismus ist weit mehr als das!

00:00:18: Im Kern beschäftigt er sich mit der Frage, die uns alle betrifft.

00:00:21: Warum fällt es uns so schwer, dauerhaft zufrieden zu

00:00:23: sein?!

00:00:24: Sidatra, den wir heute als Buddha kennen, lebte vor etwa zweieinhalbtausend Jahren in Nordindien.

00:00:30: Der Überlieferung nach wuchs einen großen Wohlstand auf.

00:00:33: Sein Vater wollte ihn vor allem leitschützen und sorgte dafür, dass er Krankheit alter und tut möglichst nicht begegnete.

00:00:41: Noch irgendwann verließ sie dadra den Palast und sah zum ersten Mal das es Leben nicht nur aus Glück und Sicherheit besteht.

00:00:47: Er begegnete einem alten Menschen, einem Kranken und schließlich dem Tod.

00:00:51: Diese Erfahrung veränderten sein Leben grundlegend.

00:00:54: Er begann noch eine Antwort zu suchen – nicht nach einer Antwort auf die Frage wie man leid vollständig vermeiden kann sondern wie man anders damit umgehen kann.

00:01:04: Einer seiner wichtigsten Erkenntnisse war, dass wir Menschen häufig nicht nur unter schwierigen Ereignissen leiden sondern vor allem unter unserem Festhalten.

00:01:11: Wir halten eine Vorstellung fest wie unser Leben sein sollte, wir wünschen und das Beziehung für immer bestehen, dass Menschen sich nicht verändern, dass unser Körper gesund bleibt und dass alles möglichst planbar ist.

00:01:21: doch das Leben ist ständig in Bewegung.

00:01:23: nichts bleibt hier immer Und genau dieser Gedanke ist zunächst gar nicht leicht anzunehmen.

00:01:30: Wir alle wünschen uns Sicherheit, wir wünscht uns Beständigkeit.

00:01:33: Wir wünschten uns das schöne Momente niemals enden.

00:01:36: Dabei zeigt uns das Leben jeden Tag, dass Veränderung etwas völlig Natürliches ist.

00:01:41: Jahreszeiten wechseln, Kinder werden erwachsen, Freundschaften verändern sich, Berufe entwickeln sich weiter.

00:01:46: auch wir selbst sind heute nicht mehr die selben Menschen, die wir noch vor zehn Jahren waren.

00:01:50: trotzdem kämpfen wir oft gegen diese Veränderung an.

00:01:53: Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn ein Urlaub zu Ende geht manchmal würde man die Zeit am liebsten festhalten wollen oder wenn ein Lebensabschnitt endet den man eigentlich noch gar nicht loslassen möchte.

00:02:03: der Buddhismus sagt nicht dass wir deshalb keine Freude empfinden sollen sondern ganz im Gegenteil er lädt uns dazu allen den gegenwärtigen Moment bewusst dazu erleben gerade weil wir wissen, dass er nicht für immer bleibt.

00:02:16: mich erinnert es immer an einen Sonnenuntergang.

00:02:19: Niemand käme auf die Idee, sich darüber zu ärgern dass die Sonne irgendwann untergeht.

00:02:23: Gerade weil dieser Moment vergänglich ist erscheint er uns so wertvoll.

00:02:28: Vielleicht können wir mit vielen anderen momenten uns aus lebens genauso umgehen nicht festhalten nicht klammern sondern dankbar wahrnehmen.

00:02:34: Ein weiterer gedanke des buddhismus hat mich besonders beschäftigt.

00:02:38: dort heißt es das unser geist häufig wie ein affe von ast zu ast springt an bild das erstaunlich gut zu unserer heutigen Zeit passt.

00:02:47: Kaum haben wir eine Aufgabe erledigt, denken wir schon an die nächste!

00:02:51: Während wir frühstücken beantworten wir E-Mails beim Spazieren gehen schauen wie aufs Handy im Urlaub planen wir bereits die Zeit danach.

00:03:00: unser Körper befindet sich an einem Ort unsere Gedanken ganz so anders.

00:03:04: vielleicht ist genau dies der Grund warum viele Menschen trotz Freizeit kaum echt Erholung haben.

00:03:10: Der Körper sitzt zwar auf einer Parkbank, der Kopf arbeitet weiter.

00:03:15: Die moderne Psychologie bestätigt diesen Zusammenhang inzwischen sehr deutlich.

00:03:19: Studien zeigen als unser Geist ein erheblichen Teil des Tages abschweift.

00:03:22: Wir denken über Vergangenes nach Plan die Zukunft oder beschäftigen uns mit hypothetischen Situationen.

00:03:29: Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes.

00:03:31: Probleme entstehen dann jedoch wenn dieses Krübel zur Dauerschleife wird.

00:03:37: Vielleicht kennst du diese inneren Monologe, hätte ich das anders sagen sollen.

00:03:41: Warum habe ich damals diese Entscheidung getroffen?

00:03:43: Was passiert wenn morgens etwas schief geht?

00:03:46: Manchmal führen wir dieselben Gespräche immer und immer wieder allerdings nur in unserem eigenen Kopf.

00:03:53: Und genau hier setzt die Achtsamkeit an.

00:03:56: Achtsamkeit bedeutet nicht ständig zu entspannen und entspannt zu sein, sie bedeutet auch niemals mehr negative Gedanken zu haben.

00:04:03: Sie bedeutet vielmehr zu bemerken dass Gedanken gerade auftauchen.

00:04:08: Nicht jeder Gedanke ist eine Tatsache!

00:04:10: Nicht jede Sorge muss automatisch geglaubt werden.

00:04:13: Stell dir einmal vor deine Gedanken wären Wolken am Himmel.

00:04:15: Manche sind hell, manche sind dunkel, manchen ziehen schnell vorbei andere bleiben etwas länger doch keine Wolke bleibt für immer.

00:04:22: Und genauso verhält es sich auch mit unseren Gedanken und Gefühlen.

00:04:25: Sie kommen, sie verändern sich – und irgendwann ziehen sie eventuell wieder weiter!

00:04:29: Je mehr wir versuchen unangenehme Gefühle wegzudrücken, desto stärker scheinen sie oft zu werden.

00:04:35: Das kennst du vielleicht von dem berühmten Beispiel Versuche einmal für die nächsten dreißig Sekunden nicht an einen weißen Eisbarn zu denken.

00:04:42: Was passiert?

00:04:43: Natürlich erscheint genau dieses Bild vor deinem inneren Auge.

00:04:47: Unser Gehirn funktioniert so, je stärker wir etwas unterdrücken wollen, desto mehr Aufmerksamkeit schenken wir ihm.

00:04:53: Deshalb geht es im Buddhismus nicht darum Gedanken zu bekämpfen.

00:04:57: Es gibt darum sie wahrzunehmen ohne sich sofort von ihnen mitreißen zu lassen.

00:05:02: Interessanterweise greift genau hier die moderne Psychologie viele dieser Gedanken wieder auf.

00:05:08: Verfahren wie die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion oder die Akzeptanz und Commitment Therapie zeigen dass wir psychisch oft stabiler werden Wenn wir aufhören gegen jede unangenehme Emotion anzukämpfen, Akzeptanz bedeutet dabei übrigens nicht alles gut zu heißen.

00:05:26: Wenn uns Unrecht geschieht dürfen wir uns selbstverständlich wehren!

00:05:30: Wenn wir etwas verändern können sollten wir handeln, akzeptanz bedeutet lediglich die Realität zunächst anzuerkennen bevor wir entscheiden wie wir mit der umgehen Denn es wenn wir die Wirklichkeit sehen wie sie ist, können wir sinnvolle Entscheidungen treffen.

00:05:44: Vielleicht liegt genau darin einer der wichtigen Botschaften dieser Folge.

00:05:47: Gelassenheit ist keine Flucht vor dem Leben, sie ist eine andere Art im Leben zu begegnen.

00:05:52: und genau in dieser Stelle treffen sich plötzlich Philosophie und Wissenschaft.

00:05:56: Denn viele Erkenntnisse die Buddha, Lauce oder die Stoika vor Jahrhunderten beschrieben haben werden heute durch die Psychologie und die neue Wissenschaft untersucht und bestätigt.

00:06:07: was Forschende heute über Resilienz Dankbarkeit, selbst mit Gefühlen und unser Gehirn herausgefunden haben.

00:06:14: Und warum diese Erkenntnisse unseren Alltag ganz konkret verändern können?

00:06:18: Darüber sprechen wir im nächsten Teil!

00:06:20: Bis zur nächsten Folge Eure Ines.

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