Ruhepol Folge 85

Shownotes

Ruhepol – Die vielen Gesichter der Gelassenheit (Teil 5)🌿

Was jahrtausendealte Philosophien über Gelassenheit beschrieben haben, untersucht die moderne Psychologie heute mit wissenschaftlichen Methoden. Und erstaunlich oft führen beide Perspektiven zu ähnlichen Erkenntnissen.

In Teil 5 unserer Reihe richtet sich der Blick deshalb auf Resilienz, Dankbarkeit und die Psychologie der Gelassenheit. Warum kommen manche Menschen nach schwierigen Erfahrungen leichter wieder ins Gleichgewicht? Welche Rolle spielt dabei unser Denken? Und lässt sich Resilienz tatsächlich entwickeln?

Es geht außerdem um den Negativitätsbias – unsere menschliche Tendenz, negativen Erfahrungen besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken – und darum, weshalb Dankbarkeit nicht bedeutet, Schwierigkeiten schönzureden, sondern unsere Wahrnehmung bewusst zu erweitern.

Auch die kleinen Dinge des Alltags spielen eine Rolle: ein Kaffee ohne Eile, ein Spaziergang ohne Ziel, ein Gespräch ohne Blick aufs Handy oder ein Abendessen, bei dem nicht gleichzeitig die nächsten Aufgaben erledigt werden. Gerade die mediterrane Lebensweise zeigt, wie selbstverständlich Pausen, gemeinsames Essen und scheinbar „unproduktive“ Momente Teil des Lebens sein können.

In dieser Folge geht es um:

* Resilienz und persönliche Entwicklung
* warum Wachstum häufig erst im Rückblick sichtbar wird
* den Negativitätsbias unseres Gehirns
* Dankbarkeit ohne erzwungenes positives Denken
* kleine Rituale und bewusste Pausen
* mediterrane Lebensart und ein anderer Umgang mit Zeit
* Aufmerksamkeit als Schlüssel zu mehr Gelassenheit
* die Verbindung zwischen alten Weisheiten und moderner Psychologie

Vielleicht ist Gelassenheit kein Zustand, den wir eines Tages endgültig erreichen. Vielleicht entsteht sie vielmehr aus vielen kleinen Entscheidungen – darin, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wie wir mit uns selbst umgehen und was wir nicht länger kontrollieren müssen.

Im nächsten und letzten Teil führen wir die verschiedenen Perspektiven zusammen – mit konkreten Impulsen für mehr Gelassenheit im Alltag.

Bis zur nächsten Folge von Ruhepol
Eure Ines 🌸

Transkript anzeigen

00:00:02: Willkommen im Ruhrpoor, die vielen Gesichter der Gelassenheit Teil fünf.

00:00:05: Je länger ich mich mit all diesen unterschiedlichen Philosophien beschäftigt habe, desto mehr hatte sich das Gefühl dass sie sich an einem Punkt begegnen.

00:00:13: Obwohl den verschiedenen Jahrhunderten und Kulturen entstanden sind, erzählen Sie im Grunde dieselbe Geschichte.

00:00:19: Sie sagen uns das Gelassen halt nichts ist was im Außen stattfindet.

00:00:22: Sie entsteht nicht durch mehr Besitz, durch mehr Erfolg oder am perfekten Alltag, sie entsteht in unserem Inneren.

00:00:28: In der Art wie wir denken fühlen und auf das Leben reagieren.

00:00:32: Und genau in diesem Punkt wird es spannend, denn die moderne Psychologie kommt heute mit völlig anderen Methoden oft zu denselben Erkenntnissen.

00:00:40: Statt philosophischer Texte gibt es Studien, Gehirnskenner und jahrzehntelange Forschung – doch viele Ergebnisse überraschen weil sie den alten Weisheiten erstaunlich nahekommen!

00:00:49: Ein Begriff der in den letzten Jahren immer häufiger auftaucht ist die Resilienz, gemeintes damit die Fähigkeit schwierige Lebenssituation zu bewältigen und nach Krisen wieder ins Gleichgewicht zu finden.

00:00:59: Lange Zeit glaubte man, Resilienz sei etwas das man entweder besitzt oder eben nicht.

00:01:04: Heute weiß man dass sie sich entwickeln lässt an Leben lang.

00:01:07: Resiliente Menschen haben nämlich nicht weniger Probleme als andere.

00:01:10: Sie verlieren ebenfalls geliebte Menschen, erleben Rückschläge machen Fehler oder stehen vor großen Herausforderungen.

00:01:16: Der Unterschied liegt darin wie die mit diesen Entscheidungen umgehen.

00:01:19: Sie fragen sich seltener warum passiert mir was ausgerechnet?

00:01:22: stattdessen fragen sie häufiger Was kann ich auf dieser Situation lernen?

00:01:27: Was brauche ich jetzt Und welchen kleinen nächsten Schritt kann ich gehen?

00:01:30: Wie gefällt dieser Gedanke, weil er den Druck herausnimmt.

00:01:33: Wir müssen nicht sofort für alles eine Lösung finden.

00:01:36: Manchmal erreicht der kleine nächste Schritt.

00:01:39: Ich glaube, wir überschätzen oft wie viel wir am einzigen Tag schaffen müssen und unterschätzen gleichzeitig was über Wochen Monate oder Jahre möglich ist.

00:01:49: Vielleicht hast du schon mal einen Baum beobachtet.

00:01:51: erwächst nicht sichtbar von einem Tag auf den nächsten doch verändert er sich ständig.

00:01:55: seine Wurzeln werden immer tiefer sein Stamm kräftiger seine Kronen größer wachstum geschieht oft ganz leise.

00:02:02: mit unserer persönlichen Entwicklung ist es ähnlich.

00:02:05: Wir merken häufig erst im Rückblick, wie sehr wir uns verändert haben.

00:02:08: Vielleicht gehst du heute viel gelassener mit einer Situation, um die dich vor fünf Jahren völlig aus der Bahn geworfen hätte?

00:02:14: Vielleicht setzen heute Grenzen, die dir früher schwer gefallen wären?

00:02:17: Vielleicht kannst du heute besser nein sagen oder dir selbst verzeihen?

00:02:21: Das sind oft große, keine großen spektakulären Veränderungen aber sie zeigen dass wir wachsen!

00:02:28: Ein weiterer Bereich, der in der Psychologie intensiv vervorscht wird ist die Dankverkalt.

00:02:32: Dabei geht es nicht darum Probleme schön zu reden oder ständig positiv denken zu müssen, das wäre weder realistisch noch hilfreich.

00:02:39: Dachbarkeit bedeutet vielmehr den Blick bewusst auch auf das zu richten was bereits da ist!

00:02:44: Unser Gehirn nimmt negative Ereignisse automatisch schon stärker als positive.

00:02:48: Das nennt man Negativbias.

00:02:50: Heute führt dieser Mechanismus jedoch häufig dazu dass wir zehn schöne Erlebnisse an einem Tag kaum wahrnehmen und uns aber stundenlang über eine einzige unangenehme Bemerkung ändern... ärgern Vielleicht kennst du das, du erhältst neunfreundliche Rückmeldung und eine kritische.

00:03:05: Welche bleibt dir länger im Kopf?

00:03:07: Meistens genau die eine!

00:03:09: Deshalb empfehlen viele Psychologen eine einfache Übung am Ende des Tages drei Dinge aufzuschreiben für die man dankbar ist.

00:03:16: Am Anfang wird das wahrscheinlich etwas ungewohnt doch mit der Zeit verändert sich tatsächlich etwas.

00:03:23: nicht weil plötzlich alles perfekt wird sondern weil unser Gehirn lernt den Blick wieder stärker auf das positive zu richten.

00:03:30: Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge.

00:03:32: Der Duft eines frischen Cafés, ein gutes Gespräch Ein Lächeln, einen Wind auf der Haut, Rennspaziergang Am Wasser oder einfach der Moment in dem wir tief durchatmen und merken.

00:03:43: im Augenblick ist eigentlich alles in Ordnung.

00:03:47: Gerade in den Mittelmeerländern fällt mir das immer wieder auf.

00:03:51: Vielleicht hast du ähnliche Erfahrungen gemacht.

00:03:53: in Italien Spanien oder Griechenland scheint das Leben oft ein anderes Tempo zu haben.

00:03:58: Natürlich gibt es dort Ebenfalls Stress, Arbeit und Sorgen.

00:04:02: Aber gleichzeitig existiert eine Kultur die Pausen nicht als Zeitverlust betrachtet sondern als Quality-Time.

00:04:09: Man sitzt zusammen, man ist gemeinsam, man unterhält sich.

00:04:13: Das Handy verschwindet für eine Weile in der Tasche.

00:04:16: Niemand hat das Gefühl jede Minute maximal effizient nutzen zu müssen.

00:04:20: Ich erinnere mich an Cafés im kleinen Gassen In denen Menschen einfach da sitzen, eines Presso trinken Und das Leben beobachten und genießen.

00:04:29: Niemand wirkt ungeduldig.

00:04:32: Niemand schaut alle dreißig Sekunden auf die Uhr oder hektisch hin und her.

00:04:38: Vielleicht ist genau das etwas, dass wir uns häufiger erlauben dürfen?

00:04:43: Nicht jede freie Minute muss immer produktiv sein!

00:04:46: Nicht jeder Spaziergang braucht ein Ziel!

00:04:48: Nicht jedes Gespräch muss zu einem Ergebnis führen.

00:04:51: Manchmal reicht es vollkommen aus einfach da zu sein Und vielleicht liegt genau darin eine Form von gelassenreich.

00:04:58: Die werden unserer oft in unserem oft-hektischen Alltag ein wenig verloren haben.

00:05:03: Natürlich bedeutet das nicht, dass wir alle auswandern oder unser Leben komplett umkrempeln müssen.

00:05:08: Aber vielleicht können wir uns kleine Inseln der Ruhe schaffen!

00:05:11: Fünf Minuten ohne Handy?

00:05:13: Ein Frühstück ohne Nachrichten?

00:05:15: Ein Spaziergang ohne Kopfhörer?

00:05:17: Ein Abendessen ohne nebenbei E-Mails zu checken und beantworten?

00:05:21: Es sind oft die kleinen Gewohnheiten in unserem Leben langfristig verändern.

00:05:25: Die Forschung zeigt übrigens, dass unser Gehirn genau auf solche Rituale positiv reagiert.

00:05:30: Wiederkernte Gewohnheiten geben uns Sicherheit und helfen dem Nervensystem schneller einen ruhigen Zustand zurückzufinden.

00:05:39: Vielleicht ist Gelassenheit deshalb gar kein so großes Ziel, dass wir irgendwann erreichen?

00:05:45: Es besteht vielmehr aus vielen kleinen Etappen und Entscheidungen immer wieder jeden Tag zu entscheiden worauf ihr unsere Aufmerksamkeit richten Zu entscheiden, wie wir mit uns selbst sprechen.

00:05:55: Zu entscheiden dass wir nicht alles kontrollieren müssen Denn das Leben wird immer überraschungbereithalten.

00:06:01: Die Frage ist nicht ob und wie und wann die Wellen kommen?

00:06:05: Die Frage es wieder lernen auf ihnen zu surfen.

00:06:09: Nächsten Teil dieser Folge Möchtet ihr deshalb die grundlegenden Gedanken noch einmal zusammenführen Und hier eine ganz konkreten Impulse mitgeben den du auch schon heute in deinem Alter integrieren kannst.

00:06:23: Ohne Druck, ohne Perfektion, Sonderschritt für Schritt!

00:06:27: Bis zur nächsten Folge von Ruhrpol, eure Innes.

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