RUHEPOL Folge 99

Shownotes

RUHEPOL Folge 99

Einsam-Macher Wenn Politik, fehlende Chancengleichheit und soziale Ungleichheit Menschen voneinander entfernen

Einsamkeit ist mehr als das Fehlen persönlicher Beziehungen. Sie kann dort entstehen, wo Menschen das Gefühl verlieren, gesellschaftlich dazuzugehören, gehört zu werden oder überhaupt noch eine Rolle zu spielen.

In dieser Folge von RUHEPOL richtet Ines Georgescu den Blick deshalb auf eine oft übersehene Dimension von Einsamkeit: ihre gesellschaftlichen und politischen Ursachen.

Welche Folgen haben politische Entscheidungen für unseren sozialen Alltag? Was geschieht, wenn Chancengleichheit im Erwachsenenleben zur Theorie wird, wirtschaftliche Unterschiede zunehmend über gesellschaftliche Teilhabe entscheiden und politische Debatten Menschen eher in Lager aufteilen, als miteinander ins Gespräch zu bringen?

Auch der wachsende Zuspruch für politische Angebote jenseits der traditionellen Mitte wird dabei als gesellschaftliches Signal betrachtet: Was steckt hinter dem Gefühl, von bestehenden Strukturen nicht mehr ausreichend gesehen oder vertreten zu werden? Und wann wird aus politischer Polarisierung soziale Entfremdung?

Die Folge führt von Chancengleichheit und sozialer Ungleichheit über Zugehörigkeit und gesellschaftliche Isolation bis zu einer grundlegenden Frage:

Was hält eine Gesellschaft eigentlich zusammen?

Denn Politik lässt sich nicht ausschließlich an Wirtschaftsdaten, Haushalten, Wohnungszahlen oder Statistiken messen. Ihre Wirkung zeigt sich auch darin, ob Menschen Zugang zu gesellschaftlichem Leben finden, ob Begegnung möglich bleibt und ob sie die Erfahrung machen: Ich gehöre dazu.

Eine Folge über Politik – aber vor allem über Menschen. Über Zugehörigkeit, Entfremdung und die gesellschaftlichen Bedingungen.

RUHEPOL – Dein Podcast für Inspiration und innere Balance Mit Ines Georgescu

Transkript anzeigen

00:00:03: Herzlich willkommen bei RuhePult, ein Podcast für Inspiration und innere Balance.

00:00:07: Die Einsammacher!

00:00:09: Heute geht es um ein Thema das zunächst vielleicht gar nicht nach Ruhe Pult klingt – um Politik.

00:00:13: Aber nicht um Parteien, Wahlprogramme oder die Frage wer gerade in Umfragen vorne legt sondern um etwas viel Persönlicheres.

00:00:22: Was passiert, wenn politische Entscheidungen unseren sozialen Alltag verändern?

00:00:25: Wenn Menschen weniger miteinander sprechen sich zurückziehen oder das Gefühl entwickeln gesellschaftlich nicht mehr dazu zu gehören?

00:00:32: und welche Rolle spielen dabei Chancengleichheit und soziale Ungleichheit?

00:00:35: heute geht es um die Frage Kann Politik zum Einsammacher werden?

00:00:39: Einsamkeit entsteht nicht nur zu Hause.

00:00:41: Wenn wir über Einsamkeiten sprechen, denken wir häufig nicht an einen einzelnen Menschen, jemand der alleine in seiner Wohnung sitzt vielleicht auch ein älterer Menschen ohne Familie, ein Single, jemanden der gerade ein Partner verloren hat, jemand er ausgegrenzt wird

00:00:55: etc.,

00:00:57: Man kann mitten in einer Großstadt leben und trotzdem das Gefühl haben, nicht wirklich Teil dieser Gesellschaft zu sein.

00:01:02: Denn Einsamkeit bedeutet nichts zwangsläufig allein zu sein.

00:01:05: Es entsteht doch dort wo Zugehörigkeit fehlt Wo Begegnungen verschwinden, wo Menschen das Gefühl bekommen Nicht gehört, nicht gesehen, zwar toleriert aber ignoriert oder nicht gebraucht zu werden.

00:01:17: Und genau an diesem Punkt wird Einsamheit plötzlich auch politisch Wenn Politik unseren sozialen Alltag verändert.

00:01:24: Politik entscheidet nicht darüber, ob wir Freunde haben.

00:01:27: Aber Politik gestaltet viele Rahmenbedingungen innerhalb des gesellschaftlichen Lebens.

00:01:32: Wir sehen unsere Städte aus und wie einfach oder schwierig es gesellschaftliche Teilhabe auch.

00:01:38: Politik kann bedingungen schaffen die soziale Nähe fördern oder unbeabsichtig das schweren.

00:01:44: Dabei geht es nicht darum eine einzelne Partei pauschalt zum einsam machen zu erklären.

00:01:50: Interessant ist die Frage, welche politischen Entscheidungen und gesellschaftliche Leitbilder können dazu beitragen, dass Menschen sich voneinander entfernen?

00:01:58: Denn politische Entscheidungen haben nicht nur eine unmittelbare Wirkung.

00:02:01: Sie können Gewohnheiten verändern.

00:02:03: Manche Menschen gewöhnen sich an das zu Hause bleiben, Kontakte gehen verloren, Vereine, Mitglieder der Vereine gehen verloren.

00:02:11: Freundschaften verändern sich Und manche Menschen entdecken zwar neue Form digitaler Nähe andere empfinden aber dies genau als Verlust der persönlichen Begegnung.

00:02:25: Wenn politische Ränder stärker werden, die gesellschaftliche Distanz zeigt sich inzwischen auch politisch.

00:02:31: Der Erfolg von Parteien wie der AfD auf der einen Der Linken auf der anderen Seite wirft eine interessante Frage auf.

00:02:38: Warum fühlen sich Menschen von politischen Angeboten angesprochen, die sich deutlich vom politischen Zentrum unterscheiden?

00:02:45: Die Antworten darauf sind natürlich unterschiedlich!

00:02:47: Die Linke stellt soziale Ungleichheit sehr stark in den Mittelpunkt ihrer Politik.

00:02:52: Sie fordert unter anderem stärkere Umverteilung höhere soziale Absicherung mit zahlbares Wohnen Und ein umfassenderen Schutz vor Diskriminierung.

00:03:00: Gesellschaftliche Teilhabe versteht sie ausdrücklich, auch als soziale Frage.

00:03:05: Die AfD setzt politisch andere Schwerpunkte und verbindet Fragen gesellschaftlicher Zugehörigkeit Erfolg Stärker mit Themen wie Migration Nationale Identität und einer grundsätzlichen Kritik an Teilen der bisherigen Politik.

00:03:18: Damit stehen sich zwei sehr unterschiedliche politische Antworten gegenüber.

00:03:22: Aber für unser Thema ist vielleicht noch etwas anderes interessant.

00:03:26: Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sich immer mehr Menschen von den etablierten politischen Strukturen nicht mehr ausreichend vertreten fühlen?

00:03:36: Entschuldigung.

00:03:36: Es ist politische Polarisierung möglicherweise nicht nur Ursache gesellschaftlicher Distanz sondern manchmal auch deren Symptom.

00:03:46: vielleicht beginnt Rückzug nämlich schon viel früher mit dem Gefühl Für Menschen wie mich gibt es hier keinen Platz.

00:03:53: Eine demokratische Gesellschaft muss unterschiedliche politische Überzeugung aushalten, aber sie sollte gleichzeitig verhindern dass aus politischen unterschieden gesellschaftlichen Mauern werden.

00:04:03: Die einen sagen ihr nimmt uns Arbeitsplätze und Wohnungen weg und die anderen stets bemüht und wundert sich warum immer noch kein Platz, weder Arbeit noch Geld noch Wohn.

00:04:11: Dann am Ende leben wir weiterhin im selben Land Und begegnen uns gegebenfalls auch mal im Alltag.

00:04:18: Politische Unterschiede müssen nicht bedeuten, dass wir aufhören miteinander zu sprechen.

00:04:23: Politik besteht nicht nur aus Zahlen.

00:04:24: Politische Entscheidungen werden häufig anhand messbarer Größen diskutiert.

00:04:29: Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Haushalteemissionen, Gesundheitsdaten, Wohnungszahlen – all diese Zahlen sind wichtig!

00:04:37: Aber eine Gesellschaft besteht auch aus Menschen.

00:04:41: Deshalb sollte die Wirkung politischer Entscheidungen auch danach betrachtet werden, was sie mit unseren Zusammenleben machen.

00:04:47: Fördert eine Entscheidung gesellschaftliche Teilhabe?

00:04:50: Oder entstehen wieder neue Barrieren?

00:04:52: Bringt sie Menschen zusammen oder auseinander?

00:04:55: Oder macht sie Begegnung schwieriger?

00:04:57: Denn Politik beeinflusst auch wie Menschen miteinander leben!

00:05:00: Schauen Sie in.

00:05:01: Gleichheit Endet nicht nach der Schule.

00:05:03: Ein weiterer Punkt wird in Diskussionen über Chancengleichheit häufig unterschätzt.

00:05:08: Es betrifft nicht ausschließlich Kinder und Bildung, sie begleitet uns unser gesamtes Erwachsenenleben.

00:05:15: Im beruflichen Aufstieg bei der Wohnungssuche Bei der Gründung eines Unternehmen sinkt Kunst und Kultur im Journalismus In der Literatur bei der Frage wessen Idee wahrgenommen werden Wer bekommt eine Chance?

00:05:27: Wer bekommt Zugang zu Netzwerken Wem wird Kompetenz zugetraut?

00:05:32: und wer muss sich immer und immer wieder ständig neu beweisen?

00:05:35: Chancengleichheit bedeutet nicht, dass alle Menschen am Ende das selber erreichen müssen.

00:05:40: Menschen haben unterschiedliche Talente, Interessen und Entscheidungen.

00:05:43: Aber die Ausgangsbedingungen sollten nicht unnötig davon abhängen welchen Namen jemand trägt woher jemand kommt wie viel Geld vorhanden ist oder welche gesellschaftlichen Kontakte jemand besitzt.

00:05:55: Wer Menschen immer wieder erleben das Türen verschlossen bleiben kann irgendwann etwas passieren.

00:05:59: Sie ziehen sich zurück, nicht unbedingt räumlich aber innerlich.

00:06:03: Aus einem anfänglichen Ich versuche es nochmal kann irgendwann werden.

00:06:07: Es hat sowieso keinen Sinn mehr.

00:06:09: Und auch das kann Einsamkeit bedeuten Was manche im Endeffekt damit bezwecken wollen Aber an den reingedrängten Menschen noch als faule oder als nicht erfolgreiche Bezeichnete Bezeichnet werden ohne zu überlegen, weshalb.

00:06:28: Das ist nicht gerecht.

00:06:29: Soziale Ungleichheit kann auch soziale Distanz bedeuten.

00:06:33: Geld allein macht wieder glücklich noch unglücklich, aber finanzielle Möglichkeiten beeinflussen gesellschaftliche Teilhabe.

00:06:40: So kann wirtschaftliche Ungleichkeit ganz leise zu sozialer Distanz werden natürlich.

00:06:44: Deshalb bedeutet soziale Politik nicht zwangsläufig allen Menschen dasselbe zu geben.

00:06:49: es geht auch darum Bedingungen zu schaffen unter denen möglichst viele Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

00:06:56: Wenn öffentliche Räume verschwinden, Innenstädte veröden oder Begegnungen zunehmend nur noch dort stattfinden wo Menschen immer sehr viel Geld ausgeben müssen verändert sich auch dieses Geflecht.

00:07:08: Wenn gesellschaftliche Debatten Menschen trennen?

00:07:12: Noch etwas kann Gemeinsamkeitsschwechen ständige Polarisierungen.

00:07:16: wir erleben gesellschaftlich Diskussion zunehmend in Kategorien wie dafür oder dagegen, richtig oder falsch, wir oder die anderen.

00:07:24: Auch Politik und Medien tragen Verantwortung dafür, wie gesellschaftliche Konflikte diskutiert werden und polarisierend wirken können nach außen natürlich.

00:07:34: Demokratie braucht unterschiedliche Meinungen sie braucht Streit, sie braucht Kritik aber eine Gesellschaft braucht gleichzeitig die Fähigkeit nach einem Streit weiterhin miteinander sprechen zu können.

00:07:45: Wenn das unterschiedliche Meinung unterschiedlicher Lager wird zwischen denen kaum noch Kommunikation stattfindet, entsteht eine andere Form der Einsamkeit.

00:07:55: Das ist ein gesellschaftsoziologisches bzw.

00:07:58: sozialpsychologisches Phänomen.

00:08:00: Polarisierung kann dazu führen dass Gruppen kaum noch miteinander kommunizieren und Menschen soziale oder gesellschaftliche Isolation erleben.

00:08:08: Existenzialistisch geht es dann um das Erleben des Einzelnen, um Entfremdung, Zugehörigkeit, Freiheit, Sinn und das Gefühl in einer gespeitenden Gesellschaft alleine zu stehen.

00:08:20: Was hält eine Gesellschaft zusammen?

00:08:21: Vielleicht müssen wir deshalb eine politische Frage wieder stärker einen Mittelpunkt rücken – nicht nur wie organisieren wir eine Gesellschaft und wie möchten wir arbeiten sondern was hält eine?

00:08:32: Es sind nicht ausschließlich Gesetze, nicht ausschlosslich Institutionen und auch nicht Ausschließlich wirtschaftlicher Wohlstand.

00:08:41: Das sind Beziehungen, Vertrauen, Begegnungen das Gefühl gebraucht zu werden, das Gefühl miteinander reden zu dürfen und die Erfahrungen.

00:08:48: ich gehöre dazu.

00:08:50: Einsamkeit ist deshalb eine gesellschaftliche Aufgabe.

00:08:54: Natürlich kann Politik Einsamkeiten nicht abschaffen.

00:08:56: kein Gesetz kann Freundschaften verordnen, kein Ministerium kann näher herstellen Und kein staatliches Programm kann einen Menschen dazu bringen, ein anderen wirklich zu mögen.

00:09:06: Aber Politik kann Rahmenbedingungen schaffen für begegnete Kultur und gesellschaftliche Teilhabe und für möglichst faire Chancen in einem wachsenden Leben.

00:09:14: Vielleicht sollten wir deshalb bei politischen Entscheidungen Häufig eine zusätzliche Frage stellen, was macht diese Entscheidung mit unserem gesellschaftlichen Miteinander?

00:09:24: Denn Fortschritt sollte sich nicht ausschließlich daran messen lassen wie effizient eine Gesellschaft gedrimmt und nach Zahlen funktioniert.

00:09:31: Sondern auch daran, wie lebenswert sie für den Menschen ist – die in ihr leben!

00:09:36: Das war RuhePool, dein Podcast Inspiration und innere Balance.

00:09:39: Wenn dir diese Folge gefallen hat freue ich mich wenn du Ruhe Pool abonnierst Und die Folge mit jemanden teils, für den dieses Thema ebenfalls interessant sein könnte.

00:09:48: Bis zur nächsten Folge Eure Ines!

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