Ruhepol Folge 100

Shownotes

Ruhepol Folge 100

Albert Camus’ „Die Pest“ – Vom Absurden und der Entscheidung, menschlich zu bleiben

Was bleibt vom Menschen, wenn die gewohnte Ordnung zerfällt?

Albert Camus’ 1947 erschienener Roman Die Pest erzählt von einer Epidemie in der algerischen Stadt Oran. Doch die Krankheit bildet nur die sichtbare Ebene einer Erzählung, die weit darüber hinausweist.

Camus schreibt über das Absurde: über den menschlichen Wunsch nach Sinn und eine Welt, die keine verlässlichen Antworten gibt. Über Krankheit und Tod, Freiheit und Verantwortung, Verdrängung und Widerstand. Und über die Frage, weshalb wir solidarisch handeln sollten, obwohl uns niemand verspricht, dass das Gute am Ende gewinnt.

Die Pest lässt sich zugleich als politische Allegorie auf Faschismus, Besatzung und die Erfahrung des Widerstands lesen. Camus, selbst während des Zweiten Weltkriegs im französischen Widerstand aktiv, beschreibt eine Gesellschaft im Ausnahmezustand: Einige verdrängen die Gefahr, andere arrangieren sich mit ihr, manche profitieren – und andere entscheiden sich, ihr entgegenzutreten.

Im Mittelpunkt steht dabei keine heroische Erlösung, sondern eine bemerkenswert nüchterne Form von Menschlichkeit: helfen, weil ein anderer Mensch Hilfe braucht. Handeln, obwohl der Ausgang ungewiss ist.

In dieser Folge von RUHEPOL geht es deshalb auch um eine andere Vorstellung von innerer Balance. Nicht als Zustand vollkommener Harmonie, sondern als Haltung gegenüber einer Welt, die widersprüchlich und nicht vollständig kontrollierbar bleibt.

Vielleicht liegt darin die bleibende Aktualität Camus’: Die Welt garantiert uns weder Gerechtigkeit noch Sicherheit oder Sinn. Aber sie nimmt uns damit nicht die Verantwortung für unsere Entscheidungen.

Wenn wir nicht bestimmen können, was uns widerfährt – können wir dennoch entscheiden, wer wir sein wollen, wenn es geschieht?

Eine Folge über Albert Camus, das Absurde, Solidarität, Widerstand und die schwierige Kunst, in einer unberechenbaren Welt menschlich zu bleiben.

RUHEPOL – Dein Podcast für Inspiration und innere Balance.

Transkript anzeigen

00:00:03: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Ruhepol, deinem Podcast für Inspiration und innere Balance.

00:00:10: Es gibt Bücher die erzählen eine Geschichte und es gibt Büchern, die stellen uns eine Frage der wir kaum ausweichen können.

00:00:16: Albert Camus, die Pest gehört für mich zu diesen Büchtern.

00:00:19: Warum passt ein Roman über Krankheit, Ausnahmezustand tot?

00:00:22: Und menschliches Leid zu einem Podcast wie Ruhepole in dem es um Inspiration?

00:00:29: Denn innere Balance bedeutet nicht, dass Leben immer ruhig und vorherzüber verläuft.

00:00:33: Sie zeigt sich vielleicht gerade dann, wenn diese Ordnung verloren geht?

00:00:36: Was trägt uns, wenn Sicherheit wegbricht?

00:00:39: Wie gehen wir mit Dingen um die wir nicht kontrollieren können?

00:00:42: wie bewahren wir unsere Menschlichkeit Wenn Angst Verlust oder Unsicherheit unser Denken bestimmen Oder besser gesagt versuchen zu bestimmen?

00:00:51: Und können wir einem leben Bedeutung geben, obwohl wir niemals die Garantie bekommen, dass alles gut ausgeht.

00:00:56: Genau an diesem Punkt bringt Albert Camus sein unzehnhundert siebenundvierzig erschienen Roman die Pest.

00:01:02: Es handelt oberflächlich von einer Epidemie in der algerischen Stadt Oran, aber die Krankheit ist nur die erste Ebene.

00:01:09: Dahinter verbickt sich eine Philosophie über das Absurde, über Freiheit und Verantwortung, über Solidarität, Widerstand und Frage warum wir überhaupt das Richtige tun sollten wenn uns niemand verspricht dass das Gute am Ende gewinnt.

00:01:21: Und vielleicht liegt gerade darin eine überraschende Verbindung zur inneren Balance.

00:01:25: Ruhe entsteht nicht immer dadurch dass wir Kontrolle gewinnen.

00:01:28: Manchmal ist sie dadurch das Fürwirk gehalten, dass wir nicht alles kontrollieren können und trotzdem entscheidend wie wir handeln.

00:01:34: Aber das Buch ist nur mittelmäßig und langweilig!

00:01:36: Worum geht es?

00:01:37: Die Geschichte spielte der allgerischen Stadt Oran.

00:01:40: Zunächst tauchten überall tote Ratten auf, deiner kranken Menschen an einer rätselhaften unbestimmten Krankheit.

00:01:45: Schließlich wird klar... Es ist die sogenannte Pest!

00:01:49: Die Behörden schließen die Stadt ab.

00:01:51: von einem Moment auf den anderen sind die Bewohner von der Außenwelt und vom geliebten Menschen getrennt.

00:01:55: Niemand weiß wie lange der Ausnahmezustand dauern wird.

00:01:58: Im Mittelpunkt steht der Arzt Bernard Rieu.

00:02:00: Er versucht nicht eine große Erklärung oder philosophische Erklärungen für die Katastrophe zu finden.

00:02:06: Er behandelt, kranke und kämpft gegen die Epidemie obwohl er weiß dass er nicht jeden retten kann.

00:02:12: Daneben zeigt Camus unterschiedliche Reaktionen.

00:02:15: Menschen verdrängen die Gefahr suchen religiöse Erklärungsversuchen zu fliehen oder profitieren von der Situation Oder Die einen sich kennen schließen sich zusammen und helfen anderen.

00:02:26: Genau daraus entsteht die Philosophie des Romans.

00:02:30: Camus gehört zu den wichtigsten Denkern des Absurden.

00:02:32: Der Mensch möchte wissen, warum passiert mir das?

00:02:35: Warum leiden Menschen?

00:02:36: Warum sterben Unschuldige?

00:02:38: Welchen Sinn hat denn das alles?

00:02:40: Doch die Welt gibt darauf keine zuverlässige Antwort!

00:02:43: Diese Kollision zwischen unserem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und einer Welt, die uns keine Garantie nach Sinn liefert, nennt Camus das Absurde.

00:02:51: Die sogenannte Pest ist dafür das perfekte Bild.

00:02:53: Sie fragt nicht wer ein guter Mensch ist.

00:02:55: sie unterscheidet nichts zwischen Schuldigen und Unschouldigen, sie geschieht.

00:02:59: Wie reagiert man auf eine sogenannte sinnlose Welt?

00:03:03: Das ist eigentlich die zentrale moralische Frage des Buches.

00:03:06: Wenn es keine Garantie gibt, dass das gute gewinnt, warum sollte man dann überhaupt das Gute tun?

00:03:11: Rue Antwort besteht nicht aus einer Theorie erhandelt.

00:03:16: Er behandelt Menschen organisierte Hilfe und macht weiter.

00:03:18: Camus verschiebt mit dieser Frage von Was ist der Sinn des Lebens zu wie möchte ich leben, obwohl ich nicht alle Antworten habe?

00:03:26: Das ist der entscheidende Unterschied.

00:03:27: Rewolte statt Resignation.

00:03:29: Hier berührt die Pest einen zentralen Gedanken von Camus.

00:03:32: Riewolte bedeutet bei ihm nicht einfach politische Revolution.

00:03:36: Es bedeutet sich dem Leid entgegenzustellen Obwohl man weiß dass man es niemals endgültig aus der Welt schaffen kann.

00:03:42: Ein Arzt weiss das Menschen sterben werden.

00:03:44: Trotzdem behandelt er sie.

00:03:45: ein Mensch Weiß, dass er selbst sterben wird.

00:03:49: Trotzdem lebt und liebt er.

00:03:51: für Camus, liegt darin Würde Solidarität.

00:03:55: Damit kommt ein zweiter großer Gedanke hinzu.

00:03:58: Am Anfang erleben viele Einwohner Orans die Katastrophe individuell.

00:04:02: Warum passiert das mir?

00:04:03: Mit der Zeit verändert sich die Perspektive.

00:04:06: Es passiert uns Aus persönlichem Schicksal wird gemeinsamer Schicksale Und daraus entsteht Solidarität.

00:04:12: Camu braucht dafür keine Helden.

00:04:15: Gerade das ist bemerkenswert.

00:04:17: Röhe betrachtet seine Arbeit nicht als Heldentat, Menschen zu helfen ist für ihn schlicht das was in dieser Situation getan werden muss.

00:04:23: Die pesteispolitische Allegorie Eine der bekanntesten Interpretationen ließ die Pesteisbild für Faschismus und die deutsche Besatzung Frankreichs.

00:04:32: Camus selbst war während des zweiten Weltkriegs den französischen Widerstand aktiv und arbeitete für die Widerstandszeit und Combat.

00:04:40: Deshalb bekommt die Epidemie eine zweite Ebene.

00:04:42: Eine zerstörerische Macht breitet sich zunächst beinah unbemerkt aus.

00:04:47: Viele wollen die Gefahr nicht wahrhaben, andere arrangieren sich mit ihr, manche profitieren davon und einige beginnen Widerstand zu leisten.

00:04:56: Die Pest kann damit für mehr stehen als eine Krankheit, für politische Gewalt, Totalitarismus und allgemeinen für zerstörerische Kräfte, die eine Gesellschaft befallen, spalten polarisieren können, Religion und das Problem des unschuldigen Leidens.

00:05:15: Besonders philosophisch wird der Roman bei Pater Panellu.

00:05:20: zunächst interpretiert er in der Jesuitenpater die Epidemie religiös und spricht von Strafe und plötzlich wird die theoretische Erklärung unerträglich.

00:05:30: wenn man die pest eine gerechte strafe sein soll warum leiden dann unschulige Kinder?

00:05:36: Damit greift Camus eine der ältesten Probleme der Religionsphilosophie auf, die Theozidifrage.

00:05:45: Wir lassen sich an ein mächtiger guter Gott und unschuldiges Leid miteinander vereinbaren.

00:05:49: Camus liefert darauf keine einfache Antwort.

00:05:52: er lässt die Spannung bestehen.

00:05:54: Freiheit bekommt eine neue Bedeutung.

00:05:56: von der Pest glauben viele Menschen ihr Leben unter Kontro- vor der Pesklop, viele Menschen ihr leben unter Kontrolle zu haben Arbeitbeziehungen Reisen Zukunftspläne etc.

00:06:06: Dann werden die Statttore geschlossen.

00:06:08: plötzlich merken sie wie abhängig ihre vermeidliche Freiheit von äußeren Umständen war.

00:06:12: Kamül stellt damit eine unangenehme Frage sind wir erst dann wirklich frei wenn wir akzeptieren das finde ich alles kontrollieren können?

00:06:20: Seine Antwort liegt wiederum eher im Handeln als in einer abstraten Theorie.

00:06:24: Wir kontrollieren nicht unbedingt was geschieht, aber wir können beeinflussen wie wir darauf antworten und reagieren.

00:06:30: Und dann kommt der entscheidende Schluss.

00:06:32: Am Ende geht die Epidemie zurück.

00:06:33: Die Menschen feiern, die Stadt öffnet sich weder.

00:06:36: Eigentlich könnte Camus hier Ein versöhnlichen Schluss setzen.

00:06:41: Tut er aber nicht!

00:06:42: Riehe weiß, dass die sogenannte Pest nicht einfach für immer verschont ist.

00:06:46: Sie kann irgendwann wiederkehren.

00:06:48: Das ist einer seiner wichtigsten Botschaften des Romans.

00:06:51: Der Sieg über das Böse ist leider niemals endgültig.

00:06:54: Wenn man die Pest politisch liess bedeutet es auch Faschismus, Fanatismus und Gewalt sind leider nicht für immer aus der Welt umbesiegt Nur weil eine historische Erscheinungsform davon überwunden wurde existenziell liest, Krankheit, Tod und Leid verschwindet ebenfalls nicht endgültig aus dem menschlichen Leben.

00:07:13: Und trotzdem lautet Camus Konsequenz nicht dann ist alles sinnlos sondern beinahe das Gegenteil.

00:07:19: gerade weil der Sieg niemals entgüldig ist müssen Menschen immer wieder handeln und aufeinander aufpassen.

00:07:25: Das macht die Pest philosophisch so stark.

00:07:28: Camus sagt im Grunde nicht, das Leben hat keinen Sinn.

00:07:31: Seine Gedanken sind anspruchsvoller.

00:07:33: Die Welt garantiert uns keinen Sinn.

00:07:35: Deshalb tragen wir Selbstverantwortung dafür wie wir in der Leben.

00:07:39: Camu wollte den Roman ausdrücklich auf mehreren Ebenen gelesen wird.

00:07:48: Was bleibt von Menschen, wenn die Welt ihre Ordnung verliert?

00:07:51: Was geschieht mit dem Menschen, wann plötzlich nichts mehr selbstverständlich ist.

00:07:55: Wenn Pläne bedeutungslos werden, wenn Gewissheiten verschwinden, wenn eine Gesellschaft erkennt dass sie eine Situation nicht kontrollieren kann und was bleibt dann?

00:08:04: Angst Egoismus Glaube oder Solidarität Oder vielleicht etwas Dass wir erster kennen, wenn unsere gewohnte Ordnung zusammenbricht, oberflächig betrachtet erzählt das Buch von einer Epidemie doch gleichzeitig erzählt es von uns.

00:08:21: Von der menschlichen Reaktion auf das Unkontrollierbare.

00:08:24: Von Verdrängungen und Angst, von Schulden und Verantwortung, vom Widerstand, von einer der schwierigsten philosophischen Fragen überhaupt!

00:08:33: Wie sollen wir leben, wenn uns niemand garantieren kann dass das Leben gerecht ist?

00:08:37: Die Pest ist eine Philosophie, die erstaunlich wenig Trost verspricht und uns gerade deshalb sehr viel über Menschlichkeit erzählt.

00:08:44: Wir machen Pläne für nächste Woche, nächstes Jahr – vielleicht für die nächsten zehn Jahre, obwohl niemand von uns weiß was morgen geschieht!

00:08:51: Camus zerstört diese Illusion innerhalb weniger Seiten.

00:08:54: Die Stadttore werden geschlossen, Oran wird abgeriegelt, Menschen werden voneinander getrennt, Reisen werden unmöglich... Das bisherige Leben existiert plötzlich nicht mehr Und aus einer individuellen Existenz wird ein gemeinsames Schicksal.

00:09:07: Camus spricht vom Absurden.

00:09:08: Es bedeutet nicht einfach, dass das Leben verrückt oder lächerlich wäre.

00:09:12: Das Absurde entsteht aus seiner Konfrontation.

00:09:16: Auf der einen Seite steht der Mensch, wir wollen verstehen.

00:09:19: Wir suchen Ursachen und möchten wissen warum etwas geschieht?

00:09:23: Wir möchten glauben das gutes Verhalten belohnt wird und dass das Leid wenigstens irgendeinen Sinn besitzt.

00:09:29: Auf der anderen Seite steht eine Welt die uns diese Antwort nicht garantiert.

00:09:33: ein guter Mensch kann krank werden, ein schlechter Mensch kann Glück haben Ein Kind kann sterben, eine Katastrophe kann Menschen treffen, die nichts dafür können.

00:09:40: Die welt erklärt sich nicht vor uns Und genau zwischen unseren Verlangen nach Sinnen und dem Schweigen der Welt entsteht bei Camus das Absurde.

00:09:50: Handeln ohne Garantie, das macht Rieu zu einer der faszinierendsten Figuren des Romans.

00:09:56: Er weiß dass er die Pest nicht einfach besiegen kann und trotzdem handelt er weiter und weiter und hilft.

00:10:02: Warum?

00:10:03: Nicht weil er glaubt dadurch zum Helden zu werden!

00:10:06: Nicht weil ihr meine göttliche Belohnung versprochen wurde.

00:10:09: Nicht einmal Weil er sicher sein konnte, dass ein Kampf erfolgreich sein wird.

00:10:16: Er tut es weil Menschen leiden und weil er etwas dagegen tun kann.

00:10:20: Hier liegt vielleicht das moralische Zentrum von die Pest.

00:10:23: Mäntlichkeit braucht keine Erfolgsgarantie.

00:10:26: Ich muss nicht wissen, dass meine Handlung die Welt verändert um richtig zu handeln.

00:10:31: Ich muss nicht die gesamte Ungerechtigkeit besiegen können, um eine Ungerechtigkeit entgegenzutreten.

00:10:37: ich muss nicht jeden Menschen retten können um einen menschen zu helfen.

00:10:41: Das klingt so nichts Bescheiden.

00:10:42: philosophisch ist es aber radikal denn Camus trennt moral von der garantie eines endgültigen sieges Von der absurdität zur revolte.

00:10:53: damit entwickelt Camu seine Gedanken des absurden weiter das erkenntnis dass die welt uns keine.

00:11:01: Kein garantierter Sinnlieferd muss nicht in eine Resignation führen.

00:11:06: Sie kann so Revolte führen, Revolta bedeutet bei Kamüh nicht einfach Revolution.

00:11:11: Es bedeutet ich sehe die Absurdität Ich sehe das Leid, ich weiß dass es vielleicht niemals endgültig besiegt werden kann und trotzdem sage ich nein!

00:11:19: Ich akzeptiere nicht, dass Leiden eines anderen Menschen mir gleich gültig sein muss.

00:11:24: Genau deshalb ist die Pest ein entscheidender Schritt den Kamusdenker vom individuellen Erleben des Absurdens hin zu solider und gemeinsamer gegenwärt.

00:11:33: Die Pest ist nicht nur eine Krankheit, doch Camus schreibt in diesem Roman nicht zufällig in den Jahren des Zweiten Weltkrieges die Pest besitzt eine zweite Bedeutungsebene.

00:11:43: sie steht auch für Besatzungen, Faschismus und politische Bewalt.

00:11:46: Oran wird eingeschlossen Freiheit verschwindet die Bedrohung breitet sich aus einige Menschen verdrängen Sie allen anderen passen sich an manche profitieren Und die Parallelen zur deutschen Besatzung Frankreichs und zur Resistenz sind bewusst angelegt.

00:12:04: Doch die Pest darauf zu reduzieren wäre zu wenig, denn Camus macht aus ihr ein allgemeines Symbol!

00:12:11: Die Pest kann überall dort wiederkehren, wo Menschen glauben eine überwundene Gefahr können niemals zurückkehre.

00:12:18: Was ist mit dem Glück?

00:12:19: Camus ist keineswegs ein Philosop, der nur über Tote und Verzweiflung spricht.

00:12:24: Gerade weil das Leben endlich ist bekommt Glück bei ihm Gewicht.

00:12:27: Liebe Freundschaft Ein Gespräch Das Meer Ein gemeinsamer Augenblick All diese Dinge sind kostbar gerade weil sie nicht garantiert sind.

00:12:36: Das unterscheidet Camus vom Nihilismus.

00:12:38: Er sagt mich nichts hat einen Sinn Also ist es egal, seine Haltung ist beinah umgekehrt.

00:12:43: Wenn uns kein ewiger Sinn garantiert wird dann bekommt das konkrete Leben um so größere Bedeutung.

00:12:50: Der Mensch vor mir der heutige Tag die Entscheidung die ich jetzt treffe Die Hoffnung Dann verschwindet die Pest.

00:12:57: Irgendwann sinken die Infektionszahlen Die Stadtdore öffnen sich Menschen umarmen sich endlich wieder Menschen lächeln weder Denn ohne Lächeln ist alles stumpf und trist.

00:13:06: Paare finden wieder zusammen die Stadt feiert.

00:13:10: Man könnte den Roman hier enden lassen.

00:13:12: Das Gute hat gewonnen, die Krise ist vorbei – doch Camus tut genau das nicht!

00:13:16: Riehe war es etwas, dass die freihabende Menge in diesem Augenblick vergessen möchten.

00:13:20: Die sogenannten Pesteriger sind nicht elthgürtig aus der Welt verschwunden.

00:13:25: Sie können verborgen bleiben und eines Tages können sie zurückkehren.

00:13:29: Das ist der vielleicht wichtigste Gedanke des gesamten Romans.

00:13:32: Denn die Pestis jetzt längst keine Krankheit mehr, sie steht für etwas das dem Menschen und in einer Gesellschaft immer wieder möglich ist Gewalt, Fanatismus, Gleichgültigkeit Unterdrückung, Verdrängung Und dadurch auch Krankheit, Verlust und Tod.

00:13:44: Es gibt keinen endgüldigen historischen Moment nachdem wir sagen können Jetzt kann uns das nie wieder passieren.

00:13:49: Harmonie spielt hier auch sogar eine zentrale Rolle aber nicht als Zustand Indem alles nur friedlich und nur schönes.

00:13:55: bei Camus wäre das zu einfach.

00:13:58: Die spannende Verbindung ist Harmonie, entsteht nicht dadurch dass die Welt harmonisch ist sondern dadurch das der Mensch eine Haltung zu einer widersprüchlichen Welt findet.

00:14:06: An diesem Punkt stellt sich für Ruhe Polen noch eine andere Frage welche Rolle spielt Harmonie auch in einer Welt die Kamu als unberechenbar beschreibt?

00:14:15: Vielleicht müssen wir dafür erst unsere Vorstellung von Harmonie verändern.

00:14:19: Harmonie bedeutet nicht unwissen ganz im Gegenteil.

00:14:24: Sie bedeutet nicht, dass Krankheit, Verlust, Ungerechtigkeit oder Angst plötzlich verschwindet.

00:14:29: Und sie bedeutet schon gar nicht das wir für alles was uns widerfährt eine beruhigende Erklärung finden müssen.

00:14:35: bei Camus entsteht etwas, dass man als eine andere Form von Harmonie verstehen könnte.

00:14:41: Eine Übereinstimmung zwischen dem, was wir erkennen und der Art wie wir handeln.

00:14:46: Rühe weiß dass er nicht jeden Menschen reiten kann und trotzdem hilft.

00:14:50: Er weiß das das Leben nicht vollkommen gerecht ist und trotzdem entscheidet er sich für Menschlichkeit.

00:14:55: Er weiß dass der Tod zum Leben gehört Und trotzdem entscheidet er sich fürs Leben.

00:15:01: Genau darin entsteht eine Form der inneren Balance Nicht Darin die Wirklichkeit schöner zu machen oder schöner zureden sondern darin sie anzunehmen ohne ihr alles zu überlassen.

00:15:12: Camus verlangt nicht, dass wir mit dem Leid harmonieren im Gegenteil.

00:15:16: Wir dürfen uns dagegen auflehnen aber wir müssen nicht selbst daran zerbrechen bis man komplett zerbröckelt.

00:15:21: Harmonie ist nicht die Abwesenheit von Widersprüchen sondern die Fähigkeit mit ihnen zu leben ohne sich selbst zu verlieren.

00:15:30: Innere Harmonie ist deshalb kein vollkommen ruhiger Zustand.

00:15:34: Sie ist ein Gleichgewicht in Bewegung zwischen akzeptieren und handeln, zwischen Endlichkeit und Lebensfreude, zwischen dem Wissen das wir nicht alles kontrollieren können und der Erkenntnis dass unsere Entscheidungen trotzdem Bedeutung haben.

00:15:47: Und vielleicht ist genau das der Ruhrpult den Camus uns hinterlässt?

00:15:52: Die Welt muss nicht immer in Ordnung sein damit wir uns für eine korrekte Haltung entscheiden.

00:15:58: Die eigentliche Theorie der Pest lässt sich kamüs, Gedanken deshalb so zusammenfassen.

00:16:03: Das Böse wird leider nicht ein für alle mal besiegt Leid wird nicht vollständig verschwinden Der Tod wird nicht abgeschafft Und die Welt wird uns leider niemals garantieren, gerecht zu sein.

00:16:14: Aber daraus folgt nicht das unser Handeln bedeutungslos wäre – es folgt das Gegenteil!

00:16:19: Weil nichts Garantiertes zählt unsere Entscheidung, weil Menschen leiden können, zählt Solidarität, weil Freiheit verloren gehen kann, muss sie bewusst wahrgenommen werden.

00:16:28: Weil Unmenschlichkeit zurückkehren kann, braucht Menschlichkeit Wachsamkeit und für unser Leben Endliches besitzt der Augenblick Bedeutung.

00:16:36: Vielleicht ist das Kamüs eigentliche Gegenmittel gegen die Pest?

00:16:40: keine allzu große Ideologie, keine Illusion ewiger Sicherheit, keine Erklärung die alles leid sinnvoll erscheinen lässt.

00:16:50: Sondern etwas sehr menschliches klar sehen, keine Angst haben nicht wegschauen und handeln auch dann wenn niemand versprechen kann dass wir gewinnen.

00:16:59: Wenn vielleicht, denn vielleicht zeigt sich Menschlichkeit gerade dort nicht darin eine Welt ohne Pest zu erwarten sondern daran immer wieder zu verhindern dass dies sogenannte Pest das letzte Wort bekommt.

00:17:10: Das war Ruhrpult am Podcast Inspiration und innere Balance Heute mit Albert Camus und eine Frage die weit über sein Roman hinausgeht wenn wir nicht entscheiden können was wenn es wieder fährt wer wollen wir dann sein wenn es geschieht?

00:17:24: in diesem Sinne bis zur nächsten Folge Eure Ines.

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