Ruhepol Folge 81
Shownotes
🌿 Ruhepol – Die vielen Gesichter der Gelassenheit | Teil 1
Warum fällt es uns manchmal so schwer, gelassen zu bleiben – selbst dann, wenn eigentlich gar nichts Bedrohliches passiert?
Zum Auftakt unserer sechsteiligen Reihe „Die vielen Gesichter der Gelassenheit“ beginnt eine Reise durch Philosophie, Psychologie und jahrhundertealte Vorstellungen von innerer Ruhe.
Wir leben in einer Welt permanenter Erreichbarkeit. Nachrichten, Termine, Erwartungen und soziale Medien konkurrieren ständig um unsere Aufmerksamkeit. Während unser Körper vielleicht längst zur Ruhe gekommen ist, beschäftigt sich unser Kopf noch mit dem Gespräch von gestern, der Entscheidung von morgen oder einer Zukunft, die noch gar nicht stattgefunden hat.
Doch ist Gelassenheit tatsächlich eine Frage der Persönlichkeit – oder können wir lernen, anders mit unseren Gedanken, Sorgen und dem Wunsch nach Kontrolle umzugehen?
In dieser Folge begegnen wir Meister Eckhart, einem der bedeutendsten Mystiker des Mittelalters. FĂĽr ihn war Gelassenheit eng mit dem Loslassen verbunden: nicht im Sinne von Aufgeben oder GleichgĂĽltigkeit, sondern als innere Freiheit von dem Anspruch, alles kontrollieren zu mĂĽssen.
In dieser Folge geht es um:
warum unser Gehirn so aufmerksam auf mögliche Gefahren reagiert Gedankenkarussell, Sorgen und die Suche nach Sicherheit unseren Wunsch, Menschen, Situationen und die Zukunft kontrollieren zu können Meister Eckhart und die ursprüngliche Idee der Gelassenheit Loslassen, ohne gleichgültig zu werden warum unser Kopf aus wenigen Informationen ganze Geschichten entstehen lässt die Herausforderung, Unsicherheit auszuhalten die Frage, ob Gelassenheit tatsächlich erlernbar ist Vielleicht beginnt Gelassenheit nicht erst dann, wenn im Außen endlich alles ruhig geworden ist.
Vielleicht beginnt sie viel früher: in dem Moment, in dem wir erkennen, dass wir nicht alles wissen, vorhersehen und kontrollieren können – und trotzdem darauf vertrauen dürfen, mit dem umzugehen, was kommt.
Am Ende führt uns diese Frage mehr als zweitausend Jahre zurück in die Antike – zu den Stoikern und zu einer ihrer wichtigsten Erkenntnisse:
Was liegt wirklich in unserer Hand – und was nicht?
🎙️ Fortsetzung in Teil 2.
Bis zur nächsten Folge von Ruhepol 🌿 Eure Ines
Transkript anzeigen
00:00:05: Ja, herzlich willkommen im Ruhrpol!
00:00:06: Schön dass du heute wieder mit dabei bist.
00:00:08: Ruhr pol die vielen Gesichter der Gelassenheit Teil eins von sechs.
00:00:12: ich freue mich sehr das wir heute gemeinsam etwas Zeit vorbringen.
00:00:17: vielleicht hörst Du diese Folge gerade auf einem Spaziergang in dem Auto oder ganz entspannt zu Hause mit einer Tasse Kaffee oder Tee Ganz gleich, wo du gerade bist.
00:00:27: ich lade dich ein die nächsten Minuten einfach mal für dich zu nutzen.
00:00:31: In den vergangenen Tagen habe ich mich intensiv mit einem Thema beschäftigt das wahrscheinlich jeden von uns irgendwann einmal berührt.
00:00:37: Ein Thema nach dem wir uns alle sehen aber gleichzeitig unglaublich schwer zu greifen ist Gelassenheit, wir sprechen häufig davon dass jemand ein gelassener Mensch ist.
00:00:49: Man sagt den bringt nichts aus der Ruhe oder sie wirkt immer so ausgeglichen.
00:00:54: gleichzeitig kennen wir aber auch die anderen Momente Situation in denen wir uns über Kleinigkeiten ärgern nachts wach liegen weil uns ein Gespräch nicht loslässt oder uns Sorgen über Dinge machen die vielleicht niemals eintreten werden.
00:01:09: Ich glaube jeder kennt diese Momente auch ich Und genau deshalb wollte ich wissen, warum manche Menschen scheinbar leichter mit den Höhen und Tiefen des Lebens umgehen können als andere.
00:01:19: Ist Gelassenheit angeboren?
00:01:21: Ist sie eine Frage der Persönlichkeit oder können wir sie tatsächlich lernen?
00:01:25: Je tiefer ich mich mit dieser Frage beschäftigt habe desto faszinierender wurde die Reise denn erstaunlicherweise beschäftigen wir Menschen uns schon seit Jahrtausenden mit genau diesem Thema.
00:01:38: lange bevor es Psychologen gab Gehirnscanner zeigen konnten, wie Stress in unserem Körper entsteht und bevor Begriffe wie Resilienz oder Achtsamkeit überhaupt existieren, machten sich Philosophen, Mönche und Gelerde Gedanken darüber, wie ein gutes Leben gelingen kann.
00:01:55: Das Spannende dabei ist, obwohl zwischen ihnen und uns oft mehr als zweitausend Jahre liegen Wirken vielerer Gedanken heute erstaunlich modern.
00:02:03: Vielleicht sogar moderner denn je!
00:02:05: Wir leben einer Zeit in der fast alles schneller geworden ist.
00:02:08: Nachrichten erreichen rund um die Uhr unsere Smartphones Begleiten uns vom Aufstehen bis zum Einschlafen.
00:02:14: wir vergleichen unser Leben ständig mit den perfekt zynierten Ausschnitten anderer Menschen Entwerbung etc.
00:02:21: Beruf Familie Freundschaften Unsinnige Erwartungen treppen jeden Tag gleichzeitig auf uns ein.
00:02:28: Unser Gehirn kommt dabei kaum noch zur Ruhe.
00:02:32: Dabei ist unser Gehirnen für diese Welt eigentlich gar nicht gemacht, über Millionen Jahre hat es gelernt gefahren möglichst schnell zu erkennen.
00:02:39: Das war ĂĽberlebenswichtig.
00:02:41: Wer das Drascheln im GebĂĽsch ignorierte wurde gleichzeitig vom Sebelzantiger ĂĽberrascht.
00:02:47: wer auf jede Veränderung achtete hatte größere Chancen zu überleben.
00:02:51: Heute lauert hinter jedem Rascheln im GebĂĽsch meistens kein Raubtier mehr.
00:02:55: Stattdessen sind es E-Mails, Nachrichten, Termine oder Schlagzeilen.
00:02:59: Der Gehirn reagiert trotzdem ähnlich wie früher.
00:03:03: Es bewertet ständig ob etwas gefährlich sein könnte, ob wir ausreichend vorbereitet sind oder vielleicht etwas übersehen haben.
00:03:11: Vielleicht fällt es uns oft schwer einfach mal abzuscheiden.
00:03:15: Vielleicht kennst du das auch.
00:03:16: Du bist eigentlich müde, legt sich ins Bett und plötzlich beginnt das Gedankenkauchsel!
00:03:22: Du erinnerst dich an ein Gespräch vom Vormittag?
00:03:24: Fragst dich ob du etwas Falsches gesagt hast?
00:03:27: Denkst dann morgen an nächster Woche oder an Entscheidungen die irgendwann getroffen werden müssen.
00:03:33: Unser Körper liegt längst im Bett, unser Kopf dagegen reißt durch Vergangenheit und Zukunft.
00:03:38: Und genau hier beginnt die Suche nach Gelassenheit nicht dem Außen, nicht in einem ruhigeren Job, nicht den am größeren Haus... Nicht einmal unbedingt im Urlaub sondern in der Art und Weise wie wir mit unseren Gedanken umgehen.
00:03:52: Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe desto deutlicher wurde mir das Gelassenhalt in den verschiedensten Kulturen ganz unterschiedlich beschrieben wurde und trotzdem immer wieder auf denselben Kern hinausläuft.
00:04:03: Das ist zum Beispiel Meister Eckhardt, ein deutscher Mystika aus der Mitteleiter.
00:04:07: Er sprach davon das Gelassenheit vor allem eines bedeutet loszulassen.
00:04:12: Nicht aufzugeben nicht gleichgültig zu werden sondern ständige Vorstellungen loszulesen alles kontrollieren zu müssen.
00:04:18: Wenn wir ehrlich sind, verbringen wir einen groĂźen Teil unseres Lebens genau damit.
00:04:23: Wir möchten wissen was morgen passiert?
00:04:25: Wir wĂĽnschen uns Sicherheit!
00:04:26: Wir möchten dass Menschen sich so verhalten wie wir es erwarten... ...dass Pläne funktionieren und das Leben berechenbar laden.
00:04:34: Doch das Leben hält sich selten an unsere Plänen.
00:04:36: Manchmal genügt ein einziger Anruf eine Begegnung oder eine Entscheidung und plötzlich verändert sich alles.
00:04:42: Genau darin liegt vielleicht eine der größten Herausforderungen unseres Lebens.
00:04:47: Nicht die Veränderung selbst machte und so zu schaffen, sondern unser Widerstand gegen sie.
00:04:52: Meister Eckhardt formulierte singemessow wirkliche Freiheit entsteht erst dann beim Belearn das Leben anzunehmen statt ständig gegen sein Verlauf anzukämpfen.
00:05:02: Ich finde diesen Gedanken unglaublich spannend.
00:05:05: Damit wir einmal ehrlich sind, kostet Kontrolle unglaublich viel Energie.
00:05:08: Wir kontrollieren unsere Termine, unsere Finanzen und unsere Gesundheit, unsere Beziehungen, unsere Zukunft etc.
00:05:14: Und manchmal sogar die Gedanken anderer Menschen.
00:05:17: Wie oft fragen wie uns was jemand gemeint haben könnte?
00:05:19: Warum eine Nachricht so kurz ausgefallen ist?
00:05:22: Warum jemand noch nicht geantwortet hat oder ob wir einen guten Eindruck hinterlassen haben.
00:05:27: unser Kopf produziert aber unzählige Geschichten.
00:05:30: Die meisten davon stimmt.
00:05:31: nicht.
00:05:31: einmal Die moderne Psychologie kennt dafĂĽr einen Begriff.
00:05:53: Unser Gehirn wiederholt dieselben Sorgen immer wieder in der Hoffnung, irgendwann eine endgültige Lösung zu finden.
00:06:00: Doch viele Fragen des Lebens lassen sich nicht vollständig lösen.
00:06:03: Manchmal mĂĽssen wir lernen mit Unsicherheiten zu leben!
00:06:06: Und genau an diesem Punkt begegnen wir einer Philosophie, die mich schon seit langen fasziniert durch dem Stoicismus.
00:06:12: Die Historiker entwickelten vor über zweitausend Jahren ein Gedanken, der bis heute erstaunlich aktuell geblieben ist – einen Gedanken, den unser Leben verändern kann?
00:06:22: Wenn wir ihn wirklich verstehen, genau darum geht es im nächsten Teil.
00:06:26: Deshalb bis zur nächsten Folge von Ruhepol Eure Ines.
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