Ruhepol Folge 82

Shownotes

🌿 Ruhepol – Die vielen Gesichter der Gelassenheit | Teil 2

Was können uns Gedanken, die mehr als 2.000 Jahre alt sind, über unseren heutigen Umgang mit Stress, Sorgen und Unsicherheit erzählen?

Im zweiten Teil geht es um den Stoizismus – und um eine erstaunlich zeitlose Frage: Was liegt tatsächlich in unserer Hand und wofür verbrauchen wir Energie, obwohl wir es nicht beeinflussen können?

Mit Epiktet, Seneca und Marc Aurel fĂĽhrt diese Folge zu drei unterschiedlichen Perspektiven auf innere Ruhe: dem bewussten Umgang mit dem Kontrollierbaren, unserer Neigung zu negativen Zukunftsszenarien und der Entscheidung, welche Haltung wir gegenĂĽber schwierigen Situationen einnehmen.

In dieser Folge:
• Epiktet und die Kunst, zwischen beeinflussbar und unbeeinflussbar zu unterscheiden
• Seneca und die Macht unserer Vorstellungen
• Warum unser Negativitätsbias Sorgen verstärken kann
• Marc Aurel über Haltung, Geduld und Selbstführung
• Was stoische Philosophie mit Resilienz und emotionaler Selbstregulation verbindet

Gelassenheit bedeutet nicht, dass Schwierigkeiten verschwinden. Sie zeigt sich vielmehr darin, wie wir ihnen begegnen.

Am Ende führt die Reise weiter nach China – zu einer Philosophie, die Gelassenheit noch einmal völlig anders betrachtet: nicht als Kontrolle, sondern als ein Leben im natürlichen Fluss.

🎙️ Fortsetzung in Teil 3.

Bis zur nächsten Folge von Ruhepol
Eure Ines

Transkript anzeigen

00:00:04: Willkommen bei Ruhrpol, die vielen Gesichter der Gelassenheit.

00:00:06: Teil zwei Wenn wir heute an Philosophen denken stellen wir uns oft Menschen vor die sich den ganzen Tag mit komplizierten Gedanken beschäftigt haben.

00:00:15: Doch die Stoika waren keine weltfremden Gelernten.

00:00:18: Sie standen mitten im Leben.

00:00:19: sie war ein Kaiser Lehrer ehemaliges Klaven oder Berater.

00:00:23: Sie kannten Krankheiten, Kriege, politische Krisen und persönliche Schicksalsschläge.

00:00:28: Gerade deshalb finde ich ihre Gedanken bis heute noch so beeindruckend.

00:00:32: Wenn sie entstehen... ...innen sie entstanden nicht in einer perfekten Welt sondern in einer Zeit voller Unsicherheit?

00:00:39: Eine der bekanntesten Stoika war Epiktet.

00:00:41: Seine Lebensgeschichte beginnt alles andere als einfach.

00:00:45: Er wurde als Klave geboren Und hatte über sein eigenes Leben zunächst kaum Kontrolle.

00:00:50: Vielleicht War es genau diese Erfahrung, die ihn zu einer Erkenntnis fĂĽhrte, die bis heute als HerzstĂĽck der stoischen Philosophie gilt?

00:00:58: Er sagte sinngemäß Es gibt Dinge, die wir beeinflussen können und es gibt Dinge die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

00:01:04: Weisheit beginnt dort wo wir den Unterschied erkennen.

00:01:07: Eigentlich klingt dieser Satz ganz einfach Und doch fällt er uns unglaublich schwer.

00:01:12: Wir regen uns über das Wetter auf, obwohl wir es nicht ändern können.

00:01:15: Wir ärgern uns über Das Verhalten anderer Menschen, obwohl die ihre Entscheidungen nicht bestimmen können!

00:01:19: Wir machen uns Gedanken ĂĽber die Zukunft, obwohl niemand weiĂź was morgen wirklich passiert.

00:01:24: Dabei übersehen wir oft etwas tatsächlich in unserer Hand liegt – unsere Haltung, unsere Entscheidung, unsere Worte, unser Umgang mit schwierigen Situationen.

00:01:34: Vielleicht kennst du das auch?

00:01:35: Du hast einen Tag sorgfältig geplant alle Schein zu passen Und dann kommt plötzlich etwas dazwischen.

00:01:41: Ein Zug fällt aus, ein Kunde sagt kurzfristig ab du stehst im Stau oder wächst krank.

00:01:48: Der erste Impuls ist häufig ärger.

00:01:50: Warum gerade heute?

00:01:51: Warum passiert das ausgerechnet mir?

00:01:54: Doch genau in diesem Moment wĂĽrden die Stoika eine andere Frage stellen.

00:01:58: nicht warum passiert das sondern wie möchte ich jetzt darauf reagieren?

00:02:03: Dieser kleine Perspektivwechsel verändert unglaublich viel denn plötzlich verlassen wir die Opferrolle über den Verantwortung für dass was tatsächlich beeinflussbar ist.

00:02:11: Das bedeutet ĂĽbrigens ĂĽberhaupt nicht, dass wir GefĂĽhle unterdrĂĽcken sollen.

00:02:15: Sturika waren keine Menschen aus Stein!

00:02:18: Sie kannten Angst trauer und Enttäuschungen genauso wie wir.

00:02:21: Der Unterschied lag darin, dass sie sich nicht dauerhaft von ihren Emotionen bestimmen lassen wollten.

00:02:27: Ein weiterer Sturiker dessen Gedanken bis heute Millionen Menschen inspiriert war Seneca.

00:02:31: Er war Philosoph, Politiker.

00:02:33: Einer der reisten Männer seiner Zeit.

00:02:35: Trotzdem schrieb er immer wieder ĂĽber Bescheidenheit und innere Freiheit.

00:02:40: Besonders beeindruckt mich ein Gedanke von ihm.

00:02:43: Er schrieb, dass wir häufiger in unserer Vorstellung leiden als in Wirklichkeit.

00:02:46: Wenn ich ehrlich bin, erkenne ich mich daran immer wieder.

00:02:50: Wie oft malen wir uns das schlimmstmöglichste Szenario aus?

00:02:53: Vor einem wichtigen Gespräch vor einer Reise, vor eine Untersuchung, vor einer Entscheidung.

00:02:57: unser Kopf beginnt sofort damit Möglichkeiten zu sammeln Und interessanterweise sind es meistens die Negativen.

00:03:05: Was ist, wenn etwas schiefgeht?

00:03:07: Was ist wenn ich blamier oder scheitere?

00:03:09: Dabei vergessen wir, dass unser Gehirn keine Vorhersagemaschine ist.

00:03:14: Es produziert Möglichkeiten – nicht Tatsachen!

00:03:17: Die moderne Psychologie bestätigt genau das.

00:03:19: Unser Gehirnen besitzt einen sogenannten Negativitätsviers.

00:03:23: Das bedeutet, dass wir potenzielle Gefahren stärker wahrnehmen als positive Ereignisse.

00:03:29: Aus evolutionärer Sicht ergibt das Sinn.

00:03:32: Wer Gefahr früher erkannte, hatte besser Röberlebenchanzen.

00:03:35: Heute jedoch führt dieser Mechanismus häufig dazu, dass wir Probleme erwarten, die niemals eintreten.

00:03:40: Vielleicht kennst du diese Situation in denen du tagelang nervös warst und am Ende festgestellt hast es alles völlig unkompliziert

00:03:47: verlieft.".

00:03:49: Genau darĂĽber schrieb Seneca bereits vor fast zweitausend Jahren.

00:03:53: In unserer Fantasie ist oft der größte Stressfaktor als die Realität selbst.

00:03:58: Deshalb lohnt es sich, die eigenen Gedanken immer wieder freundlicher zu hinterfragen.

00:04:04: Ist das tatsächlich Tatsache oder ist es nur eine Befürchtung?

00:04:07: Allein diese Frage kann manchmal unglaublich entlastend sein!

00:04:11: Ein dritter Stoiker begleitet mich persönlich immer wieder.

00:04:14: vielleicht kennst du seinen Namen Marc Aurel.

00:04:16: Er war römischer Kaiser und regierte eines der größten Reiche in der damaligen Welt.

00:04:23: Man könnte meinen, Macht würde automatisch zu einem sorgenfreien Leben führen.

00:04:27: Doch das Gegenteil war der Fall.

00:04:28: Marco Aurel musste Kriege führen, Epidemien bewältigen und politische Konflikte lösen.

00:04:34: Sein Alltag war geprägt von Verantwortung und Unsicherheiten.

00:04:38: Abends schrieb er seine Gedanken in ein Tagebuch – nicht für die Öffentlichkeit!

00:04:41: Nicht um berĂĽhmt zu werden sondern nur fĂĽr sich selbst.

00:04:45: Diese Aufzeichnung wurden später unter dem Titel Selbstbetrachtung veröffentlicht und gehören bis heute zu den bekanntesten philosophischen Werken überhaupt.

00:04:55: Mich berĂĽhrt daran besonders, wie menschlich diese Texte sind.

00:04:59: Marco Rehl erinnert sich immer wieder daran geduldig zu bleiben freundlich zu handeln sich nicht von schlechter Laune anderer Menschen anstecken zu lassen.

00:05:07: Er wusste dass man die Welt nicht kontrollieren kann aber man kann entscheiden welche Haltung man hier gegenĂĽber einnimmt Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Folge.

00:05:18: Die Lassenheit bedeutet nicht, dass schwierige Situationen verschwinden.

00:05:22: Es bedeutet das wir lernen ihnen mit mehr Klarheit zu begegnen.

00:05:26: Je länger ich über die Historiker nachgedacht habe desto mehr vielmehr auf wie aktuell ihre Gedanken eigentlich sind.

00:05:32: heute sprechen wir in der Psychologie von Akzeptanz emotionaler Selbstregulation oder Resilienz.

00:05:38: Die Historiker hätten wahrscheinlich einfach gesagt konzentriere dich auf das was in deiner Hand liegt und verspende deine Kraft nicht an Dinge die du ohnehin nicht verändern kannst.

00:05:47: Das klingt einfach.

00:05:49: Es umzusetzen ist eine lebenslange Übung und genau deshalb lohnt es sich jetzt ein Blick nach Asien, denn wenn die Stoika vor allem unsere Gedanken in den Mittelpunkt stellten entstand in China eine Philosophie der Gelassenheit auch eine ganz andere Weise erklärt.

00:06:04: dort geht es nicht darum gegen das Leben anzukämpfen sondern darum mit seinen natürlichen Rhythmus zu fließen.

00:06:11: Und genau darüber sprechen wir im nächsten Teil.

00:06:14: Bis zur nächsten Folge von Ruhrpol, eure Innes.

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